Schweden

Fika und andere schwedische Macken

Auch wenn Schweden nicht so weit von Deutschland entfernt liegt und man keinen extremen Kulturschock erwartet, fallen einem doch relativ bald verschiedene Dinge auf, die anders als daheim und zum Teil sogar typisch schwedisch sind.

Woran denkt man als Erstes, wenn man an Schweden denkt? Nicht wenigen dürften jetzt Wikinger einfallen. Tatsächlich sieht man die Wikingereinflüsse überall um sich herum, wenn man sich durch das Land bewegt. Ob es nun Plakate und Bilder an Wänden sind, Spielplätze und Sandkästen, die aussehen, wie Wikingerschiffe oder die gefühlt tausenden Runensteine, die scheinbar willkürlich über das Land verteilt sind – man kann dem Wikinger-Feeling nicht entgehen. Und die Schweden scheinen auf ihr Image stolz zu sein und es pflegen zu wollen. Und als Tourist kann ich nur sagen: Es gelingt ihnen definitiv. Für mich ist Schweden nun das Land der Wikinger.

(Foto: Ein dekorativer Runenkreis an der Promenade Sigtunas.)

Gleich am ersten Tag fielen mir die längeren Tage und sehr viel längeren Dämmerungen ins Auge. Zwar waren wir nicht im höchsten Norden unterwegs und der längste Tag des Jahres liegt schon mehr als einen Monat zurück und dennoch fällt es auf. Allein Morgens ging die Sonne rund anderthalb bis zwei Stunden früher auf als wir es aus Deutschland gewohnt waren und vor allem Nachts fiel die lange Dämmerung auf. Wenn man sich zu dieser Jahreszeit über Adelsö den Sternenhimmel anschauen will, hat man lediglich ein Fenster von zwei Stunden zur Verfügung. Die Abenddämmerung zieht sich tatsächlich bis Mitternacht und um zwei Uhr morgens beginnt auch schon die Morgendämmerung. Für leidenschaftliche Sternengucker ist das ein straffer Zeitplan.

Was neben der Tageszeit auch schon beim Anflug auf Stockholm aufgefallen ist, was aber bestimmt nicht nur in Schweden, sondern in ganz Skandinavien auffällig ist: Wald. Wald soweit man gucken kann. Während man es von Deutschland gewohnt ist, aus dem Flugzeug auf einen Flickenteppich an Äckern und Felder niederzuschauen, erstreckt sich über Skandinavien eine scheinbar unendliche dichte Decke an dunklen grünen Wäldern. Es ist richtig hübsch anzusehen und lässt einen überhaupt erst realisieren, wie arm und mickrig es tatsächlich bei uns um unsere Wälder steht.

Eine ganz große Sache in Schweden: Nachhaltigkeit! Vor allem in großen Städten ist diese Stimmung sehr vorherrschend. Wenn man zum Beispiel in Stockholm einen Blick auf die Gastronomie wirft, findet man auf den Speisekarten nichts, was nicht regional, aus biologischem Anbau oder wenigstens vegan ist. Während es in Deutschland immer noch als sonderbar gilt, wenn man seinen Kaffee mit Sojamilch trinken möchte, ist es in Stockholm fast selbstverständlich, dass es selbst in den kleinen Bäckereien neben Milch auch mindestens eine vegane Option für sein Getränk gibt.
Und auch außerhalb der Gastronomie werben viele Läden damit, dass ihre Waren schwedisch, biologisch abbaubar, recycelbar und Fair Trade sind. Und diese Mentalität wird nicht nur “von oben” vorgegeben, sondern von der Durchschnittsbevölkerung auch angenommen und gelebt. Zwar ist es mittlerweile auch schon in Deutschland verbreitet, zum Einkaufen seine Stofftasche mitzunehmen, oder seinen Coffee-To-Go in einen mitgebrachten Becher füllen zu lassen, aber in Stockholm scheint diese Lebensart den Schweden schon in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Umweltschutz und Nachhaltigkeit werden mehr als groß geschrieben.

Aber was hat es nun mit der erwähnten Fika auf sich? Eine Fika ist ein wichtiges schwedisches Alltagsritual, das ich in der kurzen Zeit sehr schätzen und lieben gelernt habe. Letztendlich bezeichnet es nichts anderes als eine Kaffeepause, oft mit kleinem Snack. Dennoch wird eine Fika sehr viel mehr zelebriert und in Ehren gehalten als die deutsche Kaffeepause. Und oft kommt es bei der Fika letztendlich auf den sozialen Faktor an. Eine Fika kann man mit der Familie, den Arbeitskollegen, einem Date oder einfach mit den Freunden haben. Dabei nehmen sich die Schweden für diese Art der Zusammenkunft auch sehr gerne etwas Zeit, sodass eine normale Fika von zehn Minuten bis hin zu einer dreiviertel Stunde dauern kann.
Wenn man also irgendwann von einem Schweden mit den Worten “Vill du fika?” angesprochen wird, handelt es sich tatsächlich um eine harmlose Einladung zum gemeinsamen Kaffee.

(Foto: So kann beispielsweise eine Fika aussehen. Ein Kaffee, etwas Süßkram und nette Gesellschaft.)

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