Frankreich

Durchatmen in der Altstadt von Troyes

Troyes ist wohl vor allem für seine pittoreske Altstadt mit den unzähligen schönen Fachwerkhäusern bekannt. Nicht zuletzt deswegen mussten die verwinkelten Gassen schon seit Jahrzehnten immer wieder als Filmkulisse für Dreharbeiten herhalten. Erst diesen Sommer kam wieder eine neue Verfilmung der „drei Musketiere“ ins Kino, die genau hier gedreht wurde. Aber wusstet ihr, dass diese Fachwerkhäuser nicht immer so aussahen wie heute? Das durfte ich heute bei meiner Besichtigungstour lernen.

Die wohl bekannteste Häuserreihe der Stadt.

Aber eines nach dem anderen. Mein heutiger Tag begann gleich mit einem Besuch bei Le Cœur, immerhin hatte ich es Madame Martine versprochen. Dabei handelt es sich um eine moderne Skulptur in Form eines Herzens, die – so fand ich später am Abend raus – bei Dunkelheit sogar von innen heraus rot leuchtete.

Dies ist Le Cœur. Die Skulptur liegt nur wenige Meter von der Altstadt entfernt und ist vor allem nachts ein richtiger Hingucker.
In unmittelbarer Nähe zu Le Cœur befindet sich diese lustige Skulptur. Ich habe leider die Geschichte dahinter nicht herausfinden können, aber trotzdem finde ich dieses Werk unglaublich dynamisch und lebendig und einfach nur schön.

Nachdem ich also meinen Auftrag erfüllt hatte, machte ich mich drauf und dran, die Altstadt zu erkunden. Dabei half mir ein bereits von der Stadt ausgetüftelter Spazierweg, der einen mit dekorativen Wegweisern an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeiführte. Abgerundet wurde das noch von einigen Infotafeln, die in mehreren Sprachen aufgestellt wurden. So wusste man stets, was man sich eigentlich gerade ansah und hat sogar noch etwas dazugelernt.

So sehen die hilfreichen Wegweiser des offiziellen Rundwegs aus.

Es war sehr angenehm, sich durch die Altstadt zu bewegen, da diese (z.B. im Vergleich zu Reims) im weitesten autofrei war. Viele Gassen waren so schmal, das Autos sowieso nicht hindurchgepasst hätten. Und in den übrigen Straßen erfüllten Geschwindigkeitsbegrenzungen und Bodenwellen ihren Zweck. Fahrende Autos waren hier eine Seltenheit.

Obwohl Troyes laut einigen Internetquellen noch als richtiger Geheimtipp gilt, habe ich um mich herum extrem viel deutsch gehört. Angeblich sollte die Stadt noch gar nicht so touristisch überlaufen sein, aber offensichtlich hat die Horde urlaubswilder Deutscher das nicht mitbekommen und war schon lange da. Mich hat es zwar nicht gestört, aber es hat wieder das amüsante Klischee bestätigt, dass man überall auf der Welt, egal wo, deutsche Touristen trifft.

Auch wenn ich eigentlich schon am Vortag da war, habe ich der Kathedrale einen weiteren Besuch abgestattet. Das Innere wirkte zwar auf ersten Blick eher schlicht, aber die schiere Größe und Enormität ließ mich immer wieder Staunen.

Nachdem ich nach wenigen Stunden den Rundweg beendet hatte, verschlug es mich selbstverständlich in die lokale Markthalle. Ich bin einfach ein Markt-Junkie und wo auch immer ich hinreise, muss ich die entsprechende Markthalle besuchen. Und da ich die letzten Tage und Wochen eh einen wahren Mangel an frischem Obst und Gemüse erfahren habe, habe ich mich direkt mit frischen, regionalen Erdbeeren und Erbsen eingedeckt. Aber auch der französische Käse und das typische Baguette durften nicht fehlen. Soweit bin ich anscheinend schon integriert.

Aber was ist bitte aus meiner Eingangsfrage geworden? Wie sahen denn die Fachwerkhäuser in Troyes früher aus, wenn sie nicht aussahen wie jetzt?

Da es Elektrizität noch gar nicht so lange gibt, wurde früher wie selbstverständlich mit Feuer hantiert. Egal ob zum Kochen, zum Heizen oder einfach als Lichtquelle. Feuer war aus dem damaligen Leben gar nicht wegzudenken. Aber gerade da wären die vielen nackten Balken des Fachwerks eine große Gefahrenquelle. Es wäre schnell entzündlich und da die Häuser dicht beieinander standen, könnte Feuer schnell von einem Haus auf das nächste überspringen. Daher hat man die Häuser früher großzügig mit schwer brennbaren Mörtel verputzt, damit das Holz ja kein Feuer fangen konnte. Erst über die Jahrhunderte ist besagter Mörtel spröde geworden und runtergebröckelt und hat somit das hölzerne Fachwerk freigegeben, das wir heute als so schön empfinden. An einigen Hauswänden in Troyes lasst sich dieser Prozess heute noch beobachten, da einige Ecken des dicken Mörtels bis heute überdauert haben.

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