Italien

Abbruch des Franziskusweg

Heute habe ich in Borselli extra einen Ruhetag eingelegt, um mir nochmal alles durch den Kopf gehen zu lassen, aber ich komme immer wieder zu dem Entschluss, dass es das beste wäre, meine Pilgerreise erstmal auf Eis zu legen.

Zwar habe ich mich schon lange auf diese Reise vorbereitet, letztes Kalenderjahr extra meine Urlaubstage gehamstert und vor einem Jahr angefangen, aktiv italienisch zu lernen. Und dennoch kamen so viele unangenehme Faktoren zusammen, die ich einfach nicht vorhersehen konnte.

1. Die Hitze und das Wetter. Mir war zwar bewusst, dass es im Sommer im italienischen Inland sehr warm werden konnte und es in der Toskana regelmäßig Probleme mit Dürre gibt. Aber ich hatte auch gedacht, dass das im September schon abflauen würde. Falsch gedacht. Außerdem dachte ich ebenso, dass es im Herbst mehr Regentage gibt, die die toskanischen Berge in Schlammhügel verwandeln. Dass es bei den sommerlichen Temperaturen aber jeden Abend ein starkes Gewitter gibt, sodass unterm Strich sowieso alles schlammig ist, das hatte ich nicht auf dem Schirm.

2. Die Menge an Insekten. Ich habe zwar im Vorfeld gehört, dass es auf dem Weg nervige Insekten geben sollte, aber irgendwie bin ich da eher von Mücken und Zecken ausgegangen. Also das gewohnte Übel, wenn man sich durch Wiesen und Wälder schlägt. Aber wer konnte mit so einer hohen Rate an Pferdebremsen rechnen?

3. Diese unerträgliche Einsamkeit. Erst auf dem Weg habe ich festgestellt, wie unglaublich wichtig es ist, Mitpilger zu haben. Menschen, die das selbe durchmachen und sich die selben anstrengenden Etappen entlangschleppen, denn ausgerechnet diese Menschen sind die größte Motivation auf so einem beschwerlichen Weg. Mitpilger sind die entscheidenden Menschen, die immer wieder dafür sorgen, dass man sich aufrafft und immer noch 10% mehr gibt und gleichzeitig sind es die Menschen, die einen am Abend die ganzen Strapazen des Tages erträglicher machen. Und sei es nur dadurch, dass man sich gemeinsam aufregt, wie blöd der Weg an dem Tag doch war.
Und eben diese Mitpilger fehlten mir auf dem Franziskusweg komplett. Keine andere Menschenseele da, die sich dem selben Blödsinn ausgesetzt hätte wie ich.

Unter diesen Gesichtspunkten habe ich letztendlich beschlossen, den Franziskusweg vorerst abzubrechen. Das alles macht so einfach keinen Sinn. Dennoch will ich ihn nicht vollständig abschreiben. Eines Tages möchte ich dem Weg eine zweite Chance geben. Zu einer anderen Jahreszeit (und damit hoffentlich auch mit weniger Insekten) und vor allem mit Begleitung!

 

 

Aber was nun?
Natürlich könnte ich wirklich alles hinschmeißen und wieder heimfahren. Aber meine sechs Wochen Urlaub habe ich sowieso schon und immerhin habe ich nun ein Jahr italienisch gelernt. Soll ich das alles vergeuden, indem ich in Deutschland Däumchen drehe und warte, bis die Urlaubszeit abgesessen ist?

Nö.

Meinen Rucksack mit allem, was ich brauche, habe ich doch schon dabei, ich sitze mitten in Italien und habe Zeit. Da kann ich genauso gut nach Herzenslust das Land erkunden. Einfach schauen, wohin mich der Wind trägt.

Und in diesem Sinne werde ich mich morgen in den Bus setzen und wieder auf Reisen gehen. Immer dem Herzen nach.

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