Spanien

8. Etappe: Requejada – Cóbreces

Gelaufen: 23 km (gesamt: 173 km)

Ähnlich wie gestern verlief auch heute unsere erste Wegstrecke durch unschönes Industriegebiet. Mehrere Kilometer mussten wir uns an viel befahrenen Straßen und qualmenden Schornsteinen der lokalen Kohlekraftwerke entlangschieben. Von romantischer Idylle hatte es wieder mal nichts.

 

 

Doch auch das ging irgendwann vorbei und wurde abgelöst von einem gut bekannten Landschaftsbild. Wieder erstrecken sich um einen herum die Berge, die nun übersät waren mit Weideflächen und unzähligen Mengen an Vieh. Und inmitten dieser ländlichen Einöde, lag ein auf ersten Blick unscheinbares Juwel: Santillana del Mar.

Gut versteckt hat dieser Ort die schönste Altstadt, die mir auf meinem bisherigen Camino untergekommen war. Die Ortschaft besteht sogar überwiegend aus Altstadt, aber dennoch wirkt jeder einzelne Quadratzentimeter gepflegt und umsorgt. Dennoch ändert es nichts an der Tatsache, dass das malerische Örtchen unter Einheimischen und Pilgern auch “Stadt der drei Lügen” genannt wird – wobei die drei Lügen lediglich im Ortsnamen stecken. Denn Santillana del Mar ist entgegen der Bezeichnung weder heilig (spanisch: “santa”), zumindest wurde nie dokumentiert, dass in der Geschichte der Stadt auch nur irgendetwas “Heiliges” passiert sei oder die Stadt von einer heiligen Persönlichkeit besucht wurde, noch ist die Stadt eben (spanisch: “llana”), da sie quasi im Gebirge liegt, noch liegt die Stadt am Meer (spanisch: “del mar”). Der Ortsname ist also in jeder Hinsicht irreführend.

 

 

Nachdem wir uns in den kleinen Straßen unseren obligatorischen Frühstückskaffee gegönnt haben, ging die Reise auch schon weiter über die sonnigen Hügel nach Cóbreces. Dort angekommen musste ich mich nach einer ganzen gemeinsamen Woche (unglaublich, wie die Zeit fliegt!) von meinem Weggefährten trennen. Zwar sind solche Abschiede nie angenehm, aber es ist schön, zu wissen, dass man einen neuen Freund gefunden hat. Und mein Camino fing ja gerade erst an!

Doch es blieb keine Zeit für Trübsal, denn wie gerufen wartete da schon die nächste Kuriosität um die Ecke: Die Herberge in Cóbreces ist unter der Leitung eines örtlichen Klosters und so muss man sich, um in der Unterkunft übernachten zu dürfen, auch bei jenem anmelden. Sofort wurde man von einem älteren, auf einem Auge erblindeten und überaus gütigen Mönch in langer Kutte in Empfang genommen, der den Pilgerpass abgestempelt hat und einen gleich noch zum Abendgebet am selben Tag eingeladen hat.

Die Herberge an sich war nicht wirklich luxuriös, doch sie war sehr kostengünstig und hatte letztendlich alles was man brauchte. Und so konnte man sich wahrlich nicht beschweren, zumal es wieder einmal die Menschen und Mitpilger waren, die diesen Ort ausmachten und einem einen schönen Aufenthalt bereiteten.

 

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