Spanien

24. Etappe: Ribadeo – Mondoñedo

Gelaufen: 36 km (gesamt: 535 km)

Die heutige Etappe nahm einen ruhigen Anfang und auch das Wetter schien vielversprechend. Bewölkt, aber nicht zu kalt. Und da ich relativ schnell beschloss, mir für die nächste Nacht bereits im Voraus ein Bett zu reservieren, musste ich nicht am allgemeinen Pilger-Wettrennen um Schlafplätze teilnehmen, sondern konnte die Strecke in meinem eigenen Tempo zurücklegen. So verließ ich Ribadeo und damit auch die Küste südwärts entlang des großen, durch Ebbe geprägten Flusses.

 

 

Doch das erste kleine Abenteuer ließ nicht lange auf sich warten: Unaufmerksam wie ich war, bin ich falsch abgebogen und auf einer Schnellstraße gelandet. Für gewöhnlich ist sowas nicht weiter schlimm, da man stets bei Kreuzungen wieder abbiegen und den Feldwegen folgen kann. Nicht aber diese Schnellstraße. Keine Kreuzung in Kilometern und so blieb mir in meiner Verzweiflung nichts anderes übrig, als über den zwei Meter hohen Maschendrahtzaun zu klettern, der die Abgrenzung zur Schnellstraße bildete, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Doch nun kann ich reinen Gewissens behaupten, dass der Camino mich Blut gekostet hat.

Kaum war der kleine Adrenalinkick überstanden, da stellte einen das Wetter vor die nächste Herausforderung. Ein ständiger Wechsel zwischen Regenschauern und Sonnenschein war etwas gewöhnungsbedürftig, doch so wurde die Landschaft nicht langweilig. In einer Sekunde noch wurde die ganze Umgebung vom Niederschlag verschlungen, während man Momente später die neuen Wolken in der Landschaft aufsteigen sah.

 

 

Die Etappe führte mich durch viele Wälder und über viele Weideflächen, doch vor allem ergab der Weg eins: Berge, Berge und nochmal Berge. Aber dennoch waren sie nicht so anstrengend, wie es klingt. Viel mehr hatte man etliche Möglichkeiten wunderschöne Aussichten zu genießen.

 

 

Meine Mittagspause auf halber Strecke brachte mich in ein kleines namenlosen Dorf, in dem sich das Café “Tentempé Peregrin” befand. Auch wenn es klein und versteckt war, war es außergewöhnlich! Auf der Speisekarte standen hausgemachte Suppen und Eintöpfe und die Besitzerin, die nebenher auf einem kleinen Herd das Essen kochte, war mehr als sympathisch. Das Essen – eine Zucchinicremesuppe – war umwerfend lecker und ich kann nur jedem wärmstens empfehlen: Wenn ihr auf dieser Etappe unterwegs seid, müsst ihr dieser gemütlichen Lokalität einen Besuch abstatten!

Vom leckeren Mittagessen gut gestärkt ging es schließlich weiter und nach vielen weiteren Kilometern kam man letztendlich in Mondoñedo an, das gut versteckt in einem Tal zwischen wunderschönen Bergen liegt. Dort fand ich auch relativ schnell meine Unterkunft, die “Albergue del Montero”, die definitiv zu den Top-Herbergen meines Caminos gehört. Bequeme Betten, ein großer Garten, ein kleiner Hinterhof mit Beach-Club-Atmosphäre und alles sehr sauber und gepflegt. Traumhaft. So traumhaft, dass ich schnell beschlossen hatte, noch eine Nacht länger in dieser Unterkunft zu bleiben und morgen gemütlich den Ort zu besichtigen.

 

(Foto: Der erste Blick auf Mondoñedo.)

 

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