Italien

2. Etappe: Pontassieve – Borselli

Gelaufen: 13 km (gesamt: 38 km)

Mein heutiger Weg begann relativ entspannt in der Altstadt von Pontassieve. Hindurch durch die schönen Altstadtsträßchen und direkt auf die alte Brücke zu, die der Stadt ihren Namen schenkte – eine Brücke (italienisch: ponte) die über den Fluss Sieve führte.

 

(Foto: Ein Uhrturm aus dem 14. Jahrhundert in der Altstadt von Pontassieve.)

 

(Foto: Die namensgebende Brücke über der Sieve aus dem Jahre 1555.)

 

Doch hinter der Brücke ging es gleich wieder hinauf in die Berge. Ich hatte zwar Glück und der Morgen war leicht bewölkt, sodass das anstrengende Backofen-Wetter erst etwas später anstand als die letzten Tage. Diesmal führte mich der Weg aber nicht wie gestern über kahlen Berg mit ausgedörrten Sträuchern, sondern immerzu über Weinberge. Natürlich war auch hier kein bisschen Schatten zu erwarten, aber es war ja noch früh am Tag und so ließ es sich noch Laufen, ohne gleich einem Hitzschlag zu unterliegen.

 

(Foto: Die Berge der Toskana vom Weinhang aus betrachtet.)

 

 

Allerdings dauerte es auch diesmal nicht lange, bis ich wieder von einer Bremse, dann zwei, drei und schließlich von einem ganzen Heer verfolgt wurde. Von Landschaft genießen war da dann nicht mehr viel. Und nachdem ich – wie auch schon am Tag zuvor – viele Kilometer von den Tieren gejagt wurde und mehrere Bisse einstecken musste, kam ich in dem Dorf Diacceto endlich zum verschnaufen. Erst an der Hauptstraße inmitten einer Häusersiedlung ließen die Biester von mir ab.
Und an der Stelle war mir klar: Der Franziskusweg macht für mich in dieser Form keinen Sinn. Ich habe gestern schon groß hin und her überlegt, warum ich überhaupt hier bin, warum ich mir das antue und ob das alles überhaupt sinnvoll ist. Aber diese erneute Hetzjagd von einer Wolke Bremsen war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hat.

Und so habe ich noch eine geschlagene Stunde in Diacceto verbracht, mit den Tränen kämpfenden hin und her überlegt, wie denn mein weiteres Vorgehen wäre. Immerhin hatte ich für mein Bett im nächsten Ort schon bezahlt, der nächste Bus fuhr aber erst in vier Stunden und sobald ich einen Fuß aus dem Dorf machte, klebten schon wieder fünf Bremsen an mir.

Aber es half ja alles nichts. Also bin ich, nachdem ich mich erstmal ausgiebig beruhigt hatte, doch weitergewandert. Das ging tatsächlich auch einen Kilometer gut, bis aber plötzlich im Wald die Beschilderung aufhörten. Also stand ich da, keine Ahnung wohin weiter und selbstverständlich wieder umzingelt von diesen kleinen geflügelten Dämonen. Also schlug ich notgedrungen die Richtung ein, die sich einigermaßen mit der richtigen Himmelsrichtung deckte und wo man zumindest ansatzweise einen Weg erahnen könnte. Long story short: Ich habe mich unzivilisiert durch den Wald geschlagen und bin nach einer gefühlten Ewigkeit an der Herberge in Borselli angekommen. Die noch geschlossen hatte. Als ein Gewitter hereinbrach. Herrlich.

 

(Foto: Der Weg nach Borselli. Bevor er wieder ins Nirgendwo führt.)

 

Zum Schluss sei noch erwähnt: Wieder einmal war ich allein. Wieder hatte ich ein ganzes Mehrbettzimmer nur für mich und nachts, als die Herberge Betreiber selbst nach Hause gefahren sind, gehörte mir sogar das ganze Haus. Also wenigstens für ein paar Stunden konnte ich wahrheitsgemäß behaupten: “Ich habe ein süßes, rustikales Häuschen in den Hügeln der Toskana.”

 

(Foto: Vorder- und Rückansicht der Herberge Antica Foresteria di Tosina, in der ich untergekommen bin. Sie wurde erst im vergangenen Jahrzehnt von den Herbergsbetreibern aus den Ruinen eines alten Klosters wieder aufgebaut. Und man spürt auch heute noch in der Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Gastgeber, dass deren ganzes Herzblut in diesem Haus steckt.)

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